Samstag, 4. Oktober 2008

Meine Wohnung

Es gibt Dinge, über die ich besonders froh bin, seit ich weiß, dass meine Zeit hier in Indien zu Ende geht.
Einer der größten Pluspunkte ist meine Wohnung - Bei der Vorstellung hier noch 9 Monate länger zu wohnen schauderts mich.

1. Wegen dem Schimmel
Der Monsun hat die Außenwände durchgeweicht. Das Wasser drückte durch die Wände in die Wohnung... Da konnte ich an den ganz schlimmen Tagen morgens und abends die Wohung wischen. Zwar ist der Monsun jetzt vorbei - aber was passiert wohl mit nassen Wänden, die nur langsam abtrocknen... Naja: Den Schimmel kann man ja größtenteils wegwischen.
Als ich aus meinem Sommerurlaub wiedergekommen bin, schimmelte auch einer der Sessel schön vor sich hin. Den habe ich jetzt in das unbenutze Schlafzimmer gestellt... da lebt der jetzt weiter.
Also noch eine Regenzeit will ich hier wirklich nicht erleben.

2. Bauliche Mängel.
Gebrochene Fußbodenfliesen - geschenkt.
Schranktüren, die nicht mehr auf gehen - meinetwegen.
Aber: Dass ich 3 mal meine Elektroverteilung überarbeitet habe, damit ich wenigstens in den meisten Zimmern Strom habe, nervt schon.
Schön wäre es auch, wenn es in meiner Küchenwand kein Armeisennest wäre. Oder dass der Ablauf der Waschmaschine nicht jedes zweite mal überlaufen würde. Oder wenn die Toilettenspülung funktionieren würde... Und diese Wohnung war NEU, als ich eingezogen bin!

3. Die Umgebung.
Die Umgebung der Wohnung heißt Mumbai. Das ist das eigentliche Problem. Zwar steht das Haus in einer der besten Gegenden dieses Mollochs, aber so richtig toll ist das immer noch nicht.
Da ist zum einen die Population von Straßenhunden in der Umgebung. Ich hab keine Ahnung, wie viele, aber mindestens 10-15 die alleine um das Haus hier wohnen.
Und die tragen ihre Streitigkeiten zu allen Tages und Nachtzeiten aus.
Zum anderen ist da der Strand. Hier kann man wunderbare Fotos vom Sonnenuntergang machen. Der Nachteil ist aber, dass bei jedem Feiertag ganz Mumbai an den Strand pilgert, Musik macht/hört und Räucherstäbchen gleich tonnenweise abbrennt. Ich bin total für Religionsfreiheit – Solange sie geräuschlos und geruchsneutral ist!
Und zum dritten ist da der unglaubliche Gestank. Nach Müll, Verwesung und was-weiß-ich. Je nach Wind zieht dieser Gestank auch in meine Wohnung. Und das Haus kann man nicht verlassen, ohne einen Kotzkrampf zu bekommen.

4. Sonstiges.
Mein Internet funktioniert. Nachts. Tagsüber nur 5 Minuten am Stück und so schnell wie die Post. Die Klimaanlage im Schlafzimmer klingt nach einem anfahrenden LKW. Und seit 3 Monaten wird die Wohnung über mir renoviert. Mit dem einzigen Werkzeug, das Inder kennen: Dem Hammer.

Ich will hier raus!
11 Wochen noch.

Sonntag, 21. September 2008

Alles hat ein Ende

Indien auch. Zumindest für mich.
Und zwar früher als erhofft.

Mir wurde mitgeteilt, dass meine Dienste in Indien nach dem 31.12.2008 leider, leider, leider nicht mehr benötigt werden.
Das ist auf der einen Seite echt schade. Weil... ähm... ach nee. Is doch nicht schade. Eigentlich ist das sogar ziemlich cool. Es ist zwar nicht so, dass ich Indien nicht mag... Oder... Ok doch. Es ist doch tatsächlich so, dass ich Indien nicht mag.

Da ich noch ein bisschen Urlaub übrig habe, werde ich in 6 Wochen für 2 Wochen nach Deutschland kommen.
Dann noch einmal ein 4 Wochen Kurzeinsatz hier in Indien, und dann hat sich das Kapitel erledigt.
Wird auch Zeit.

Samstag, 5. Juli 2008

Fronturlaub

In genau 4 Tagen, 6 Stunden und 5 Minuten startet mein Flugzeug Richtung Urlaub, Richtung Deutschland, Richtung Sonnenschein, Richtung Leben.
Ja, ich zähle Tage und Stunden. Und: ja, ich mache das schon seit 55 Tagen.
Es gibt nämlich so die ein- oder andere Sache, die mich an Indien mittlerweile ziemlich nervt.
Ein Beispiel:
Man mag es kaum glauben, aber Mumbai ist voll mit Indern. Das klingt jetzt erstmal ein wenig banal, aber ich meine es wörtlich - also Mumbai ist VOLL: Kein Platz mehr für irgendwas oder irgendwen.
Na? Interesse an einem romatischen Abend am Strand?
Oder doch lieber gemütlich bummeln gehn?

Der nächste Punkt ist eine direkte Folge daraus. Der Verkehr ist der Wahnsinn... im negativsten aller Sinne.
2 Stunden für 10 km? Eine Leichtigkeit.
Auch schön ist, wenn im Stau neben dir bei 40º amputierte Gliedmaßen oder sonst was für Krankenhausmüll ohne Kühlung rumsteht...
Und den Gas-Transport hatte ich ja schon...

Kommen wir zum Regen. Ja genau. Regen. Viel Regen. Mit Wind. Und ohne Ablauf. Das sieht dann so aus. Seit 3 Wochen. Noch 4 Monate.

Geht einem ja nur bis zu den Knien. Dafür sieht man dann aber auch nicht, wo man hintritt.
Das nervige daran ist, dass der Monsun als Ausrede für alles genommen wird:
- Mein Internetkabel kaputt und muss ersetzt werden - But, Sir! It´s raining!
- Ich muss meine Stromrechung bezahlen, geht das bei Ihnen? - No, Sir. It´s raining!
- Mein Koch-Gas ist leer, ich brauche einen neue Flasche - But, Sir! It´s raining!
- Hallo, ich brauche ein Taxi um den Einkauf zu transportieren - But, Sir! It´s raining!

Kein Problem. Dann warte ich einfach noch 4 Monate. Dann hörts ja schon auf!

Höchste Zeit, die Batterien mal wieder aufzuladen

Mittwoch, 18. Juni 2008

Leben, leben lassen und am Leben gelassen werden

Die Tatsache, dass die Sicherheit in Indien mit unter nicht ganz so groß geschrieben wird wie in Deutschland habe ich schon an anderer Stelle beschrieben.
Über das Transportwesen habe ich auch schon geschrieben - zumindest den Vieh- Personentransport.
Weiten wir also unser Wissen ein wenig aus, und beleuchten den Güterverkehr.
Etwas, was man in Deutschland kaum kennt sind Gas-Transporter.
Die komischen Deutschen nehmen ihr Gas zum Kochen nämlich einfach aus der Gasleitung.
Sowas wäre hier zu kompliziert. Die Inder kriegen ja nicht mal ihre Wasserleitungen dicht.

Und wenn ich da an andere Installationen im Haus denke... Was soll da erst mit Gasleitungen passieren!? (Hier ein Beispiel aus dem Büro)

Naja. Also nimmt man halt Gas-Flaschen. Und einen Karren.
Und der Aufkleber "Bitte nicht ungeschützt der Sonne aussetzen" ist nur Spass...

So. Da sagt man sich doch: "Mensch, Inder! Das geht doch auch anders!" Und der Inder sagt: "Aber klar. Fals man mal nur eine Flasche zu transportieren hat. Und einen Sohn zum festhalten"
"Ja. Und wenn man keinen Sohn hat?" - "Na. Dann nimmt man sich ein Taxi und ein Seil!"

Aaaaaaaaaaaaaahhhhh

Montag, 9. Juni 2008

EM

Sonntag Abend. Eigentlich schon Montag Morgen. 0:10 Ortszeit in Mumbai. Alles ist dunkel. Draußen regnet es: Monsun. Es ist immer noch warm. Der Ozean peitscht den Strand hinauf.

Hinter einem Fenster sieht man das Flackern eines Fernsehers. Viel Grün im Bild.

Und plötzlich wird es lauter. Ein Grölen. Aus vielen Kehlen. Aus weiter Ferne. Die Lautstärke nimmt zu, als der Verstärker hochgefahren wird. Und dann stimmen alle Kehlen in ein gemeinsames Lied ein.

Und da ist noch was.

Eine Einzelne Stimme überstimmt den Chor aus dem Fernseher...

„ ... und Recht und Freiheit, für das Deutsche Vaterland...“, ein wenig verhalten noch, aber immer fester...

Der Verstärker wird lauter gedreht, die Stimme nimmt zu.

„ ... Blüh im Gla-hanze diii-ses Glü-hückes. Blühe Deu-heutsche-hes Vaterlaaaaaand“. Und da ist sie wieder. Die Gänsehaut. Wie vor 2 Jahren. Nur weiter weg.


Das Finale?

Deutschland – Frankreich


3:0

Mittwoch, 4. Juni 2008

...wenn trinken nicht mehr nötig ist...

Unglaublich.

Ich hatte es nicht mehr für möglich gehalten.

Ich wusste nicht mehr, wie er sich anfühlt.

Ich kannte ihn nur noch aus Träumen in Schwarz/Weiß und Erzählungen längst vergangener Tage.

Ich hatte fast vergessen, dass es Ihn gibt.


Den Regen.


Aber tatsächlich. Nach 8 Monaten und zwei Wochen habe ich Ihn wieder gesehen. Nur ein bisschen. Nur eine kleine Kostprobe seines Könnens, nur einen Schatten seiner selbst. Aber er war da.



Und er trieb die Luftfeuchtigkeit so hoch, dass trinken nicht mehr nötig war... atmen hat gereicht…

Montag, 26. Mai 2008

Unwissenheit ist ein Segen!

Obwohl ich offiziell in einer "Luxury Residence" wohne, funktionieren seit meinem Einzug einige Steckdosen nicht und einige Lampen nur sporadisch.
'Das ist nicht so schlimm', dachte ich, 'damit kann man leben..."

Ich hab zwar gelernt, dass Steckdosen und Wasser zusammen eine schlechte Idee sind, aber die Steckdose genau über dem Duschkopf habe ich nur mit einem Schmunzeln registriert. Auch wenn daran der Durchlauferhitzer für Warmwasser hängt...

Aber letzte Woche muss die Garantie für meine Haus-Elektrik abgelaufen sein... Oder so.
Auf jeden Fall blitzte es beim duschen plötzlich über mir, warmes Wasser war alle und aus der Steckdose stieg Rauch auf.
'Nicht so schlimm, du hast ja noch eine Dusche...'
Jaja
Am nächsten Tag ist dann die erste Klimaanlage ausgefallen, weil sie kein Strom mehr bekam.
Zwei Tage später die nächsten Beiden. Und die zweite Dusche war auch kalt.
Das wurde dann langsam nervig. Immerhin wird es hier auch gerade Sommer (Und der Winter war teilweise schon zu warm...)
Als dann auch noch einige Ventilatoren ausfielen hab ich dann doch mal den Sicherungskasten genauer untersucht...



Mir war wohler als ich noch nicht wusste, dass Sicherungen mit Draht und Folie gebrückt wurden.
Und auch den Gedanken an eine Schutzerdung wollte ich eigentlich nicht einfach so aufgeben...